Die Rolle der Proteine beim Jungbleiben

Die Diskussion um die Proteine, ihre Wichtigkeit für den Körper, ihre Art und Menge hat ganze Glaubensgemeinschaften entstehen lassen. Generell unterscheidet man in tierische und pflanzliche Proteine. Im Rahmen meiner Überlegungen, wie ich meinen Körper möglichst jung und fit halten kann, habe ich mich sehr intensiv damit auseinandergesetzt.

Denn erst in den letzten Jahren hat man herausgefunden, dass drastische Hungerkuren gar nicht nötig sind, um den lebensverlängernden Effekt, die sog. Autophagie, hervorzurufen. Man kann die Verjüngung auch herbeiführen, indem man einfach nur die Proteine in der Ernährung herunterfährt! Wie ist das möglich? (1)

Dazu ein paar Details.

Proteine setzen sich aus Bausteinen zusammen, die man Aminosäuren nennt. Manche davon kann der Körper selbst herstellen (“nicht-essenziell”), andere nicht, sie sind “essenziell”, wir müssen sie essen. Wie sich mehr und mehr herauskristallisiert, sind es diese essenziellen Aminosäuren, die den Alterungsprozess in erster Linie vorantreiben. Dies ergibt auch einen biologischen Sinn: Der Körper braucht diese Proteinbausteine unbedingt, um Bau- und Wachstumsprozesse in Gang zu setzen. Reges Wachstum – das klingt zwar erst einmal gut, beschleunigt aber tatsächlich auch die Alterung.

Dazu müssen Sie kurz Bekanntschaft machen mit einem Molekül namens mTOR (mechanistic Target of Rapamycin). Es ist eine Art Bauleiter der Zelle und zugleich ein Generalschalter der Alterung. Und der wird hauptsächlich von essenziellen Aminosäuren angeworfen. Sobald mTOR auf Touren kommt, wird der oben beschriebene heilsame Vorgang der zellulären Selbstreinigung stillgelegt. Stattdessen gibt mTOR der Zelle das Kommando zum Wachsen. Die Zelle wird dicker, vermehrt sich. Auf diese Weise wächst Gewebe, zum Beispiel Muskelgewebe. Daran sieht man schon: Ein gewisses Maß an mTOR-Aktivität und Zellwachstum sind zweifellos wichtig, ja sogar lebensnotwendig (1).

Altersforscherinnen und -forscher der University of Southern California in Los Angeles haben festgestellt, dass Menschen, die sich eiweißreich ernähren, auffallend oft von allerlei Altersleiden betroffen sind. Die Wissenschaftler hatten die Ernährungsdaten von knapp 6.400 Menschen ab einem Alter von 50 Jahren analysiert. Es zeigte sich: Wer in mittleren Jahren zwischen 50 und 65 ordentlich Protein futtert (20 Prozent der Kalorienaufnahme oder mehr im Vergleich zu weniger als zehn Prozent), dessen Sterblichkeitsrisiko ist um 74 Prozent erhöht. Das Krebsrisiko steigt in diesem Fall sogar um das Vierfache – eine Größenordnung, wie man sie sonst eher vom Rauchen oder Alkoholmissbrauch kennt (1).

Ein genauer Blick auf die Daten offenbarte aber auch eine wichtige Ausnahme. Sobald die Forscher die Analyse auf pflanzliche Proteine beschränkten, hob sich der negative Zusammenhang auf. Denn tierisches Protein enthält in der Regel mehr essenzielle Aminosäuren als pflanzliches Protein. Oder, um es auf eine vereinfachte Formel zu bringen: Tierisches Protein regt mTOR an, und das fördert Zellwachstum und Alterung (1).

Dazu noch ein Beispiel aus der Praxis. Eine Glaubensgemeinschaft in den USA, die Siebenten-Tags-Adventisten, leben im Schnitt bis zu zehn Jahre länger als der Durchschnittsamerikaner. Und unter ihnen lässt sich ein aufschlussreiches Langlebigkeitsranking erstellen. Erneut zeigt sich tendenziell: Je weniger tierische Lebensmittel ein Adventist isst, desto länger lebt er. Einzige Ausnahme: Jene Vegetarier unter ihnen, die ab und zu (fetthaltigen) Fisch essen – sie werden von allen am ältesten (1).

 

Links:

  • Kas: B; Der Ernährungskompass,

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