Change is everywhere

Mi., 26. Dez. 2018:

Eigentlich wollte ich ja am Vortag abends noch mit dem Bus nach Cartagena de Indias fahren. Jedoch war mir das zu stressig und zudem hat Medellin so viel zu bieten, dass ich diesen Tag noch angehängt habe. Ich werde eine Free Walking Tour in der “Comuna 13” machen und dann abends mit dem Flieger nach Cartagena reisen. So bleibt wenig Zeit auf der Strecke und ich kann mich in Medellin noch umsehen. Ja, stets neu überlegen und den alten Plan anpassen.

Einschub:
Zuerst beherrschte die marxistisch-befreiungstheologische ELN die Comuna 13, dann wurde die Comuna 13 zur Basis der marxistisch-leninistischen Farc. Irgendeine Gruppe kämpfte hier immer um die Vorherrschaft. Die Akteure wechselten, die Gewalt blieb – so war es in der Comuna 13, und so war es in weiten Teilen Kolumbiens. In Medellín, der Stadt, die jahrelang vom Mafiaboss Pablo Escobar beherrscht wurde, war der Kampf ums Drogengeschäft besonders brutal. Anfang der 90er Jahre hatte Medellín die angeblich höchste Mordrate der Welt: mehr als 390 Morde auf 100.000 Einwohner*.
Im Jahr 2002 war die Comuna 13 das letzte Stadtviertel im ganzen Land, in dem die Guerilla noch Präsenz zeigte. Der damals neue Präsident Álvaro Uribe Vélez beschloss, die Kämpfer gewaltsam zu vertreiben. Am 16. Oktober, Uribe war gerade seit ein paar Wochen im Amt, ließ er die Comuna 13 militärisch mit Hubschraubern und gepanzerten Fahrzeugen angreifen. Die Soldaten schossen auf alles, was sich bewegte, auf Alte, Frauen und Kinder. Im Schlepptau hatten sie paramilitärische Gruppen, die sich nicht an Recht und Gesetz gebunden fühlten. Das war die Operación Orión: nicht die erste Militäraktion hier, aber die brutalste.
Mit weißen Bettlaken und Taschentüchern baten die Anwohner um eine Feuerpause, aber die Kämpfe hielten vier Tage lang an. Dutzende Zivilisten starben, viele wurden gezielt ermordet. Hunderte verschwanden spurlos. Die Bauschuttdeponie, auf der ihre Leichen vermutet werden, ist von der Comuna 13 aus auch heute noch gut zu sehen.

Treffpunkt ist an der Station San Javier und Laura, unser Guide, macht auch gleich los in Richtung Comuna 13. Denn es ist ein kleines Stück zu gehen. Laura selbst ist in der Comuna 13 geboren und aufgewachsen und hat die oben beschriebene Gewalt tagtäglich erlebt. Die Comuna 13 war deshalb auch so wichtig für die Paramiitärs wie auch für die Guerillias, da hinter der Comuna 13 bergiges Hinterland mit Wäldern beginnt. Das war ideal, um die Drogen in die Stadt zu bekommen oder auch aus ihr heraus. Oder auch sonstige illegalen und kriminelle Handlungen durchzuführen. Es geht stetig beraugauf und so gibt es mittlerweile auch Rolltreppen, um die Höhenmeter leichter bezwingen zu können. Ganz oben lädt uns Laura zu sich nach Hause ein und wir können von dort über die ganze Stadt und die Comuna 13 blicken. Schwer vorstellbar wie das noch vor gut 16 Jahren hier war.

Interessant ist, das Pablo Escobar sich kaum für diesen Stadtteil interessiert hat. Wohl weil er mit einer oder beiden? der o.g. Parteien einen Deal hatte und so seine Finger dort herausgelassen hat. Auf jeden Fall ist die Verwandlung sehr deutlch zu sehen (so weit ich das überhaupt beurteilen kann), Heute kann jeder sich frei durch diesen Stadtteil bewegen und braucht keine Angst zu haben.

Nachmittags geht’s dann zum Flieger und ich habe noch eine schöne Taxifahrt mit einem kleinen Stopp an einem Aussichtspunkt über Medellin. Es war schön hier! Am Weg sehen wir dann noch eine andere Möglichkeit, mit dem Fahrrad den Berg zu bezwingen. Alles irgendwie etwas loco hier :-)).

Ich komme in Cartagena gegen halb neun an und schnappe mir gleich ein Taxi zum Hostel, denn ich möchte noch möglichst was zu essen bekommen. Die Fahrt ist kurz und so bin auch bald in meinem Zmmer. Dieses teile ich mit 2 Französinnen, die recht locker sind und so passt das auch. Kurz das Wichtgste für die Nacht aus dem Rucksack herausgeholt und dann geht’s in Richtung Ausgehviertel, mit der Hoffnung auf Kohlenhydrate. Ich finde auch bald in einem Hinterhof ein “Restaurant”, welches italienisch kocht. Ich denke, los und nicht noch lange weitersuchen. Das Essen ist echt gut, die Stimmung gelassen und so habe ich einen schönen Tagesabschluss in Cartagena.