Catedral de Sal

So., 09. Dez. 2018:

Heute habe ich mir eine in Kolumbien sehr bekannte Sehenswürdigkeit, sogar das erste architektonische Wunder in Kolumbien, ausgesucht: Catedral de Sal de Zipaquirá. Sie befindet sich in dem Ort Zipaquirá, 2h Busfahrt oder 49 km entfernt, nördlich der Hauptstadt Bogotá auf einer Höhe von 2.652 m.

Einschub #1: Die Catedral de Sal (Salzkathedrale) ist eine katholische Kirche in einem Bergwerksstollen und Touristenattraktion im Salzbergwerk von Zipaquirá, in der Provinz Cundinamarca, Kolumbien. Sie hat keinen offiziellen Status als Kathedrale und untersteht auch keinem Bischof.

Um dort hinzukommen schnappe ich mir zuerst den Bus bis zum „Portal del Norte“. Dazu sollte man wissen, dass Bogota an seinen Aussengrenzen sogenannte Portales besitzt. Das sind Satelliten von Busbahnhöfen in allen Himmelsrichtungen. Von dort werden die Ziele in Bogota bzw. die Orte, die in Richtung des Portals auf dem Land liegen, angefahren. Bis ich dort bin benötige ich knapp 1h. Dort herrscht dann auch am Sonntagmorgen um 8 Uhr buntes Treiben. Ich frage mich – wie immer – durch, um den Anschlussbus nach Zipaquirá ausfindig zu machen. Alles kein Ding, in ein paar Minuten habe ich den Haltepunkt gefunden und der Bus steht auch schon da. Perfekt. Hineingesprungen, den Sitz auf Chill-Stellung gefahren und los geht’s.

Wir halten am Weg aus Bogota heraus noch an einigen Haltestellen und sammeln noch Gäste auf und dann geht’s doch recht flott auf der Landstrasse dahin. Die Landschaft ändert sich schnell zu einer grünen, teilweise mit Viehhaltung bewirtschafteten, Region. Eine angenehme Abwechslung zu Beton und Tonnenweise Feinstaub und Kohlenmonoxid.

Kurz nach 9 Uhr bin ich dann am Busterminal von Zipaquirá und der Busfahrer knöpft mir gefühlt den 3-fachen Betrag für die Fahrt ab. Heftige 3 Euro :-). WIe so oft auf dieser Welt dürfen auch in diesem Land die “Extranjeros” etwas mehr berappen. Es soll ihm Glück bringen, denke ich und ziehe los. Zipaquirá besitzt eine schöne koloniale Altstadt, die sich auf einmal vor mir auftut. Ein schöner großer Platz an den kleine Gassen heranführen und dort steht auch eine wunderschöne Kirche, die Diocesan Cathedral of Zipaquirá. Normalerweise habe ich es ja mit den Gotteshäusern nicht so. Dieses ist von schöner, einfacher Innengestaltung. Es erscheint, als sei sie mit gebrauchtem Baumaterial errichtet worden und überrascht den Besucher mit einer patchwork-artigen Innenfassade.

Ich gehe meinen Weg weiter bis zum Parque De La Sal. Dieser Park fasst das Areal der eigentlichen Kathedrale ein und bietet eine schöne Umgebung zum Verweilen. Am Eingang zur Kathedrale angekommen heisst es auch hier den Preis für die Touristen zu berappen und dann kann es auch schon hineingehen in das ursprüngliche Salzbergwerk.

Einschub #2: Die dreischiffige Salzkathedrale befindet sich 180 m tief in einer der vielen Minen. Hierfür wurden insgesamt 250.000 Tonnen Salz abgetragen – das entspricht dem Salzkonsum des Landes für zwei Jahre. Ein Bauwerk, welches es so ähnlich nur noch zweimal auf der Welt gibt. Zu Beginn laufen die Besucher durch einen surrealen anmutenden Stollen, welcher den Passionsweg Christi darstellt. In 14 Nischen wurden allegorisch Kreuze heraus gemeißelt, um diesen schicksalshaften Tag im Leben Jesu zu beschreiben. Am Ende des Stollens mündet der Weg in die große geheimnisvoll beleuchtete Kathedrale mit dem weltweit mit ca. 20m Höhe größten unterirdischem Kreuz. Noch heute wird die Kathedrale aktiv genutzt und sonntags mit zahlreichen Besuchern eine Messe abgehalten. Die Kathedrale bietet für etwa 8.400 Menschen Platz und wurde 1995 neu eröffnet.

Der Gang durch das Bergwerk ist beeindruckend und beklemmend zugleich. Wieder staune ich, was Menschen schaffen können, wenn Sie Leidenschaft und Sinn empfinden… Denn das Bauwerk war keine Auftrag sondern eine gemeinsame Entscheidung der Bergleute.

Im Anschluss laufe ich noch etwas durch die Altstadt und mache mich schließlich auf zum Busterminal. Auch hier alles kein Problem. Schnell einen der zahllosen Ticketverkäufer interviewt und schon sitze ich im Bus zurück nach Bogota.

Alles in allem wieder ein Tag voller Erlebnisse – kleiner und großer.

Rückblick:
Heute bin ich etwas mehr als eine Woche in Kolumbien und es fühlt sich doch schon viel länger an. Ich sauge jeden Tag möglichst intensiv in mich hinein und das Schreiben intensiviert die Erlebnisse zusätzlich. Die erste Woche war auch mit vielen Kompromissen versehen. Nehmen wir mein Hostel und die klimatischen Verhältnisse hier zum Beispiel. Also, mein Hostel hat keine Heizung ! bei Temperaturen nachts unter 10 Grad. Fenster und Türen sind weit entfernt dicht zu sein. Dementsprechend sind die Temperaturen im Zimmer. Das Bett ist ca 20cm zu kurz, so dass ich mich in “Cirque du Soleil”-Manier ins Bett “schlängeln” darf. Geschweige von der Situation der sanitären Anlagen. Die Duschen schaffen 1 Liter warmes Wasser in 10 min, demensprechend ist das Rinnsal, das da so daher kommt und es hat ca.10 Grad im Bad! Auch sitzt man in fast jedem Restaurant quasi im Freien, da Türen und Fenster sperrangelweit aufstehen. Brrrr. Wie froh bin ich um meine Skiunterwäsche!

All das tut nichts zur Sache, da sie nicht wichtig sind. Wichtig sind andere DInge.